Die kleine Pfanne mit den Bleiklumpen über das Kerzenfeuer halten. Das Blei schmilzt zu einer glänzenden Pfütze. Eine Wasserschüssel steht bereit und …. Tschsch. Die entstandenen Figuren sollen mir Antworten auf meine Fragen geben. Was bringt das nächste Jahr? Soll ich oder doch nicht? … Für ein Entscheidungs-Dilemma gibt es tatsächlich bessere Möglichkeiten.

Entscheidung: Abschied von Konflikt

Jobwechsel. Ein Studium beginnen. Ja oder nein? Lohnt sich das? Bekomme ich dadurch wirklich interessantere Aufgaben, mehr Chancen, mehr Kompetenz in der Kommunikation … oder was ich mir in meinem Leben wünsche? Oder ist es besser zu bleiben, wo ich bin? Weil es hier eigentlich doch ganz gut ist, weil ich weiß, wie der Hase läuft, weil sich hier vielleicht doch bald was zum Besseren wenden könnte? Weil ich zu unsicher bin, ob es sich lohnt, zu investieren. Schwierige Entscheidung. Denn ich kann nicht wissen, was wird. Egal, wie ich mich entscheide.

„An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser.“

Charlie Chaplin

Bauch-Entscheidung oder Kopf-Entscheidung?

Die Expertinnen und Experten gehen – vereinfacht gesagt –  im Moment davon aus, dass wir ausschließlich Bauch-Entscheidungen treffen und diese blitzschnell vom Kopf rational begründet werden. Dabei ist der Begriff „Bauch-Entscheidung“ natürlich eine Vereinfachung. Es geht um Entscheidungen auf Basis unseres emotionalen Erfahrungsgedächtnisses. Das menschliche Gehirn ist ein selbstorganisierendes, dynamisches System. Kompetenzen werden nicht von grundlegenden, isolierten Zentren gesteuert. Sie werden durch „Systeme“ gesteuert, die durch mehrere untereinander verbundene Gehirnabschnitte laufen.

Das Gehirn dient als Erfahrungsspeicher

Erfahrungen sind die Grundlage für die selbstorganisierten Prozesse des Gehirns. Es gibt die Erfahrungen allgemeiner Natur, die wir quasi von unseren Vorfahren in die Wiege gelegt bekommen. Diese ergänzen wir mit unseren eigenen, wirklich erlebten Erfahrungen. Das Gehirn kodiert diese Erfahrungen und speichert sie für zukünftige Situationen ab. Dadurch wird Verhalten individuell, dynamisch und spezifisch angepasst.

„Stellen Sie sich das Verhalten eines Organismus als die Darbietung eines Orchesterstückes vor, dessen Partitur während der Aufführung erfunden wird“

Antonio Damasio

Das Gedächtnis ist sein emotionales Bewertungssystem

Das „Limbische System“ unseres Gehirns reguliert das Affekt- und Triebverhalten gegenüber der Umwelt. Alle eingehenden sensorischen Informationen werden im Limbischen System koordiniert und finden hier ihre emotionale Antwort. Wenn man mit einer neuen Situation konfrontiert wird, wertet es aus, ob man schon einmal eine ähnliche Erfahrung hatte und ob man sie positiv oder negativ abgespeichert hat. Wenn dies der Fall ist, erleben wir die Antwort als Emotion. Erfahrungen werden als positiv oder negativ abgespeichert, sodass wir immer auf diese Gefühle zurückgreifen können. Auf das Unbewusste gibt es keinen direkten Wahrnehmungszugriff. Mit Hilfe von Bewertungssignalen, sogenannten somatischen Markern, ist es möglich, indirekt ins Unbewusste einzudringen. Diese Signale sind personenbedingt emotional oder körperlich wahrnehmbar. Sie sind für Entscheidungen hilfreich.

Annäherung an die Entscheidung mit der Motivationsbilanz

Sie sehen auf einen Blick, wie es um Ihre Motivation – Ihre Beweggründe – bestellt ist. Dabei werden sowohl rationale Gründe als auch das Unbewusste einbezogen.  

So gehen sie vor:

  • Nehmen Sie sich etwas Zeit und sorgen Sie dafür, dass Sie nicht gestört werden. Dann schauen Sie sich Ihre Entscheidungs-Frage gründlich und ehrlich an. 
  • Nehmen Sie dazu einen Streifen Papier, etwa 10×50 Zentimeter. Sie beginnen am oberen Rand des Streifens alles aufzuschreiben, was für ein „Ja“ spricht, was Sie sich erhoffen, was sie anspricht, Sie mit Freude erfüllt, wenn Sie daran denken.  Lassen Sie sich Zeit, manchmal dauert es einige Minuten, bis die Gedanken aus der Feder fließen. Schreiben Sie mit der Hand!
  • Dann stellen Sie das Blatt auf den Kopf und wenden sich den negativen und belastenden Seiten zu. Hier schreiben Sie alles auf, was Ihnen Sorge bereitet, für ein „Nein“ spricht.

Das war der rationale Teil der Übung. Nun zur Arbeit mit den somatischen Markern.

  • Gewichten Sie die negative und die positive Seite getrennt. Nicht die Anzahl der Eintragungen sind gemeint, sondern deren subjektives Gewicht. Jede Seite hat eine gedachte Skala von 0 – 100. Beginnen Sie bei 0 und bewegen Sie den Arm langsam in Richtung 100. Spüren Sie Ihrer Hand nach. Bewegen Sie diese langsam auf und ab. Bis Sie jenen Punkt gefunden haben, den ihr Körper als richtig erkennt. Machen Sie eine Markierung an dieser Stelle. Nun gehen Sie bei der positiven Seite gleich vor. Sie können auch am Boden zwei Skalen von 0 – 100 auflegen und auf den Linien gehen. Sie werden spüren, wo der richtige Punkt ist. Nicht denken, nachspüren! Im nächsten Schritt übermalen Sie Ihre Eintragungen und drücken damit bildhaft Ihre Bilanz aus.
  • Nun arbeiten Sie an der Bilanz. Überlegen Sie, wie hoch die Plus-Seite für Sie sein muss, um sich dafür zu entscheiden. Wie hoch darf maximal die Minus-Seite sein? Überlegen Sie, welche Schritte Sie unternehmen können, um entweder die positiven Aspekte zu verstärken oder die negativen Aspekte zu verringern. Nicht was andere tun müssten, sondern Sie persönlich tun können, zählt.
  • Diese Punkte schreiben Sie sich auf und gehen Schritt für Schritt in die Umsetzung.

Ich freue mich auf Rückmeldungen zu den Erfahrungen mit dem Instrument 😊.


Veranstaltungen

Angespannte Führungskräfte? Schwierigkeiten im Büro? Beim nächsten Online-Impuls am 03.05.2021 berichtet Michael Nake aus der Reihe Impulse zur Kommunikation vom Cynefin Framework von Dave Snowden.

Am 10.05.2021 gibt ein Schnupperworkshop die Möglichkeit, Lehrende und Studierende kennenzulernen.


AUTORIN
Judith Kölblinger, MSc
Beraterin, Trainerin, Coach. Schwerpunkte Change Management, Großgruppen, Führungskräfte-Entwicklung, ZRM-Trainerin, Human-Ressource Business Partner, Teamentwicklung, Leadership, Resilienz.

 

LITERATUR

  • Storch, Maja/Krause, Frank (2014): Selbstmanagement – ressourcenorientiert. Grundlagen und Trainingsmaterial für die Arbeit mit dem Zürcher Ressourcen Modell (ZRM ®). 5. Erweiterte und vollständig überarbeitete Auflage. Hogrefe Verlag Bern (ehemals Hans Huber).
  • Buchacher, Walter/Kölblinger, Judith/Roth, Helmut/Wimmer, Josef (2015): Das Resilienz-Training. Für mehr Sinn, Zufriedenheit und Motivation im Job. Linde Verlag Wien Gesellschaft m.b.H.
  • Damasio, Antonio (2017): Im Anfang war das GEFÜHL. Der biologische Ursprung menschlicher Kultur. Originaltitel: The Strange Order of Things. Siedler Verlag, München. Penguin Random House Verlagsgruppe.

HINWEIS

Der berufsbegleitende Universitätslehrgang Interpersonelle Kommunikation vermittelt in fünf Semestern aktuelle Kompetenzen für Beratung, Training, Coaching und Führung.

Der nächste Lehrgang startet am 01. Oktober 2021 (Anmeldeschluss: 31. August 2021). Wollen Sie am Laufenden bleiben? Abonnieren Sie den IPK-Newsletter.

INSTITUT FÜR INTERPERSONELLE KOMMUNIKATION (IPK)

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