Welche Anforderungen stellen neue Organisationsmodelle wie New Work, Purpose Driven Organizations, Agil und Selbstorganisation an Trainerinnen und Trainer? Was sind die Top-Kompetenzen, die sie heute mitbringen sollten? Wie lassen sich Lern-Camp als Trainingsmodell für mehr Agilität nutzen?


Neuer Inhalt – Neue Form

Nachgefragte Themen zielen vor allem auf Kulturveränderung und ein neues „Mindset“ ab. Dabei geht es um die interne Interaktion, ein offeneres Miteinander im Team, um kommunikative Führung, Schnittstellen-Kommunikation, lebendige Meetings oder das Lernen selbst. Gerade das Lernen stellt dabei die Trainerinnen und Trainer vor neue Fragen. Kann ich neue Kompetenzen mit herkömmlichen Methoden nachhaltig vermitteln? Teilnehmende erwarten sich dann schon mal „mehr Input“. Nachvollziehbar – sie haben wenig Zeit. Aber: ganz alte Schule.

Topkompetenzen für agile Trainings

Wissen und Fähigkeiten zu vermitteln und dafür ein förderliches Umfeld zu schaffen, ist die Kernaufgabe von Trainerinnen und Trainern.  Mit dem Vermitteln von Inhalten, angebotenen Übungen, Fallstudien, Experimenten, Feedback, Sequenzen vor und nach dem Training etc. erweitern sie die fachliche, methodische und vor allem mentale Kompetenz der Teilnehmenden. Claudia Thonet nennt in der aktuellen Ausgabe von Trainingaktuell die 8 Topkompetenzen für agile Trainerinnen und Trainer.


„8 Topkompetenzen für agile Trainerinnen und Trainer“

Selbstorganisation ermöglichen: das bedeutet den Rahmen, Regeln, Rollen und Bedingungen zu formulieren und dann den Teilnehmenden das Spielfeld zu überlassen.

Commitment einholen: Statt Aufträge zu erteilen und Inhalte vorzugeben, werden in Richtung transparenter Ziele Angebote gemacht. Die Gruppe oder Personen können entscheiden.

Gaming anbieten: Spielerisch werden alle Lernkanäle benutzt und nachhaltig Wissen generiert. Dazu braucht es eine gute Auswahl und das passende Design der Spiele.

Iterativ lernen: Kleingruppen entwickeln Prototypen, holen Feedback der anderen ein und optimieren in der nächsten Schleife.

Frameworks bauen: Struktur hilft zu verstehen und schafft Verhalten. Nützliche Formate und Designs hierfür liefern Methoden aus Design Thinking, Kanban oder Scrum.

Timeboxing: Durch Zeitverknappung kommen Schwung und Effizienz in die Runde.

Innovation fördern: Raum für Kreativität geben und Teilnehmende ermuntern, verschiedene Perspektiven einzunehmen, für Stakeholder zu denken. Methoden aus dem Design Thinking helfen dabei.

Flexibilität beweisen: Kontinuierlich wird das Training adaptiert – im laufenden Prozess.

Vom Training zum Camp

Wie kann ein Training gestaltet werden, das zu mehr Selbstorganisation, Innovation und Wendigkeit, also zu mehr Agilität führt? Für uns hat sich als praktikabel herausgestellt, ein größeres Set an Angeboten für ein Training zu gestalten. Damit schaffen wir Wahlmöglichkeiten für die individuelle Arbeit an praxisrelevanten Fragestellungen. Wir fördern die kollegiale Zusammenarbeit, stehen für rahmengebende Beobachtung, Moderation oder Coaching zur Verfügung. Wir empfehlen Literatur, Videos, geben Aufgaben, bieten Spiele an. Wir sind bei Barcamps, Lean Coffees oder Open-Space-Formaten im Einsatz. Nachfolgend zwei Beispiele, wie eine Halbtages- und eine Tagesveranstaltung aufgebaut sein können.

Mit digitalen Tools die Lernstrecke verlängern und lebendig gestalten

Es ist sehr lohnend, digitale Tools im Training einzusetzen. Das kann eine Videokonferenz mit den Teilnehmenden im Vorfeld oder im Nachhinein sein. Aktuell arbeiten wir hier mit Zoom am besten. Es bietet die Möglichkeit, neben einer gemeinsamen Präsentation, dem Teilen von Bildschirmen oder der Moderation, Kleingruppen (Breakout-Sessions), Umfragen oder ein Whiteboard zu verwenden. Auch die Aufzeichnung von Beiträgen ist möglich. Bei größeren Veranstaltungen kann es Sinn machen, Diskussionsbeiträge oder Fragen von Teilnehmenden für Plenumsdiskussionen oder eine Umfrage live zu gestalten. Das geht gut mit Sli.do oder Surveymonkey. Diese Tools haben jeweils auch Gratisversionen. Der Gestaltungsfreude sind kaum Grenzen gesetzt. Dazu wünsche ich alles Gute!

LITERATUR
Fink, F./Moeller, M. (2018): Purpose Driven Organizations: Sinn – Selbstorganisation – Agilität. Schäffer-Poeschel, Stuttgart.

Hofert, S./Thonet, C. (2018): Der agile Kulturwandel: 33 Lösungen für Veränderung in Organisationen. Springer Verlag, Berlin und Heidelberg.

Schaper N. (2019): Aus- und Weiterbildung: Konzepte der Trainingsforschung. Nr. 26 in:  Nerdinger, F. W./Blickle, G./Schaper N. (2019): Arbeits- und Organisationspsychologie, Springer-Lehrbuch. Springer Verlag, Berlin und Heidelberg. Crossref DOI link: https://doi.org/10.1007/978-3-662-56666-4_26

Thonet, C. (2020): Beweglicher bitte! Agil in der Trainerrolle. In: Trainingaktuell, 31. Jahrgang Nr. 2/2020, 3. Februar 2020. managerSeminare Verlags GmbH, Bonn.

HINWEIS

Die Wondercards von Nadja Petranovskaja sind ein Kartenset, mit dem sich agile Workshops und Trainings gut vorbereiten lassen.
Das Set enthält 40 Methoden, Modelle, Übungen und Spiele zu Themen wie Change, Agilität, New Work, Führung, Teamwork und Strategie/Innovation.

Der berufsbegleitende Universitätslehrgang für Interpersonelle Kommunikation vermittelt in fünf Semestern aktuelle Kompetenzen für Beratung, Training, Coaching und Führung. Der nächste Start ist am 26. März 2021. Wollen Sie am Laufenden bleiben? Schreiben Sie uns: office@interpersonelle-kommunikation.at

 

AUTORIN
Judith Kölblinger, MSc
Beraterin, Trainerin, Coach. Schwerpunkte Change Management, Großgruppen, Führungskräfte-Entwicklung, ZRM-Trainerin, Human-Ressource Business Partner, Teamentwicklung, Leadership, Resilienz

Institut für Interpersonelle Kommunikation, Salzburg